1998 ist meine Tante Christa gestorben. Das war ein tiefer Einschnitt in mein emotionales Leben. Nichts war seitdem so, wie es vorher war. Frei nach dem Motto „Since you went away there is nothing going right“.
Jedenfalls hat sie hier um die Ecke bei der Telekom gearbeitet. In diesem Telekomgebäude habe ich große Teile meiner Kindheit verbracht. Ich kann mich noch genau daran erinnern, welche Bilder dort an der Wand hingen, wo ihr Schreibtisch stand und was ich dort immer gespielt habe. Selbst als ich schon erwachsen war, habe ich sie dort oft besucht. Dieses Gebäude wurde kurz nach ihrem Tod verkauft. Die Beschäftigten wurden nach Fulda und in den Taunus verfrachtet. Seitdem stand es leer. Lag brach. Verfiel mit der Zeit. Seit über zehn Jahren hat sich dort nichts getan. Ich laufe dort auch heute noch oft vorbei und jedes Mal verspürte ich das Bedürfnis dort hineinzugehen. Ich wollte das alles noch einmal sehen. Und irgendwie hatte ich auch immer das Gefühl als müsste ich nur durch die Tür gehen und da würde sie wieder vor mir stehen. So als wäre nichts gewesen.
Wenn ich vor dem geschlossenen Tor stand und zu ihrem Bürofenster hochsah, hatte ich das Gefühl, sie schaut durch die Scheibe zu mir herunter.
Seit einer Woche sind dort Handwerker zu Gange. Das Gebäude wird kernsaniert. Mehrere Presslufthämmer sind zu hören und Christa ist weg. Natürlich ist sie für immer in meinem Herzen, in meinen Gedanken und in meiner Seele. Das ist keine Frage, aber irgendwie ist es nun so als ob das letzte Relikte aus ihren Lebzeiten, das was sich seither kein bisschen verändert hat, nun auch dem unweigerlichen „das Leben geht weiter“ gewichen ist.
Veränderungen sind gut, tun aber auch weh.